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Geschichte des Kurzhaar-Collies

Dies ist ein Versuch einen kleinen Einblick in die Geschichte des Kurzhaarcollies zu geben.
Von den Anfängen und Vorläufern der Rasse bis in die Neuzeit.
Der Ursprung des Collie als Rasse wird in der Literatur unterschiedlich dargestellt.
Einen Großteil der Informationen über die Frühgeschichte stammen aus dem Buch "The Smooth Collie – a family dog" von Iris Combe und wurden sinngemäß übersetzt und zusammengefasst.
Wo eine wörtliche Übersetzung schwierig war habe ich zusätzlich den Englischen Begriff in Klammern angegeben oder ganz auf eine Übersetzung verzichtet. Weitere Quellen werden am Ende des Textes genannt.
Verbesserungsvorschläge sind herzlich willkommen und auch über weitere Quellen und Informationen zum Thema würde ich mich freuen.

Der Name
Leider gibt es nur relativ wenige Quellen aus der Frühzeit des Kurzhaarcollies.
Als sicher gilt, dass er aus Schottland stammt.
Die Entwicklung der Hütehunde und speziell des kurzhaarigen Schottischen Schäferhundes ist eng verknüpft mit der Besiedlung und der landwirtschaftlichen Entwicklung der Britischen Inseln.
Die Ursprünge liegen im Dunkeln und reichen weit zurück bis in die Zeit der Kelten, auf die vermutlich auch der Name "Collie" zurückgeht.
Im gemeinsamen gälischen Dialekt der keltischen Stämme hatte das Wort "Collie" die Bedeutung "nützlich".
Ein nützlicher Hund für die Arbeit am Hof oder mit dem Vieh wurde "Collie" Hund genannt.
Im Laufe der Zeit änderte sich die Schreibweise, wie sich auch die Englische Sprache veränderte.
Vermutlich deshalb sehen auch manche Quellen in der Bezeichnung "Colley" den ursprünglichen Namen, abgeleitet vom angelsächsischen Wort "Col" für "schwarz".
Möglicherweise war dies die Originalfarbe der Züchtung oder es bezieht sich auf die schwarzköpfige Schafrasse "Colley", die der Collie gehütet haben soll.

Im Laufe der Jahrhunderte, in denen immer wieder andere Arten Hirtenhunde mit unterschiedlichen Wurzeln auf die Inseln kamen, wurde es üblich, jeden Hundetyp, der für die Arbeit mit dem Vieh eingesetzt wurde, als Collie zu bezeichnen.

Die Kelten
Die Besiedlung durch keltische Stämme begann um 900 v. Chr. und bis 500 v. Chr. hatten sie sich über die gesamten Britischen Inseln verbreitet. Die Kelten waren geschickte Handwerker und Schmiede.
Sie fertigten kunstvoll verzierten Goldschmuck und Waffen aus Bronze und Eisen.
Die keltische Wirtschaft basierte aber vor allem auf Ackerbau und Viehzucht.
Wichtigstes Haustier war das Rind, welches neben der Lieferung von Fleisch, Milch (Käse) und Leder auch unabdingbar bei der Ackerbestellung war. Daneben wurden Schweine, Ziegen und Schafe gehalten. Letztere allerdings vornehmlich zur Fleischgewinnung und nicht wegen der Wolle.
Die Herden waren eher klein. Folglich wurden die Hunde der Kelten vornehmlich zum Schutz des Hofes und als Jagdhunde eingesetzt.
Nach der Eroberung durch die Römer wurden diese keltischen Jagdhunde zum begehrten "Exportgut" der Provinz Britannien.
eine alte keltische Abbildung eines Hundes


Die Römer – Entwicklung der Britischen Hütehunde


Während der römischen Besatzung (43 – 500 n. Chr.) wurde die Schafzucht und die Wollindustrie zu einem essentiellen Wirtschaftsfaktor.
Folglich war vermutlich auch die Zucht und Ausbildung spezialisierter "Schafhunde" (sheepdog) von großer Bedeutung und legte den Grundstein für die Entwicklung der britischen Hütehunde.
Der Britische Collie oder allgemeine "Herdenhund"" (engl.: stock dog) und der spezialisierte Sheepdog entstanden jeweils aus einer Kombination verschiedener Hundetypen:

Immer wieder importierten die Römer Schafe und Ziegen nach Britannien um die dortigen Herden aufzufrischen.
Diese Tiere stammten meist aus Teilen des römischen Reiches südlich des Mittelmeeres.
Die Hirten, die die Herden auf der Reise begleiteten, brachten auch einen dünnfelligen, kurzhaarigen, gutmütigen Hirtenhund mit, der bei den Phöniziern sehr beliebt war, um die kleinen Herden bei der Ankunft zusammen zuhalten.
Es gibt starke Hinweise dafür, dass eine Anzahl Walisischer Hütehunde echte Nachfahren jener Hunde waren, welche die Römer nach Britannien brachten.
Aber diese dünnfelligen, kurzhaarigen, Hütehundtypen konnten im feucht kalten Britischen Klima nicht lange überleben und sind ausgestorben.
Lediglich der sehr selten gewordene "Welsh Hillman" scheint der einzige heute noch lebende Vertreter dieses Typs zu sein.
Bereits zuvor hatten die Römer einen grösseren, wilderen Hundetyp nach England importiert,
der in den Ländern rund um das schwarze Meer eingesetzt wurde um ihre Rinder, Pferde und die grossen Schafherden zu bewachen.
Diese Hunde umkreisten die Herden (circling dogs), um sie vor Raubtieren oder Dieben zu schützen.
Sie trugen die Bezeichnung "bear-skinned" (bärfellig), da die Beschaffenheit ihres Fells dem eines Bären ähnelte: Dichtes, kräftiges und nahezu wasserdichtes äußeres Deckhaar zusammen mit weicher, dicker Unterwolle.
Insgesamt also ein hervorragender Schutz vor Verletzungen und Witterungseinflüssen.

Die Ahnen der modernen Kurzhaarcollies
Als sich im Laufe der Jahrhunderte die Methoden der Viehhaltung änderten wurden viele dieser "bärfelligen" Typen mit Typen aus Nordafrika gekreuzt, um einen Hund mit besserem Wesen, besser einsetzbaren Fähigkeiten und einem weniger dichten aber dennoch wasserabweisenden Fell zu bekommen.
Der Name verfälschte sich in "bare-skinned" (kahl, nackt) und ist auch heute noch die häufigste Bezeichnung für glatthaarige Hütehunde in den ländlichen Gebieten Grossbritanniens.
Und genau dort begann auch die Ahnenreihe des modernen kurzhaarigen Collies, der allerdings im Laufe der Zeit noch unter einigen anderen Bezeichnungen bekannt war.

Shepard´s Cur
Vermutlich die älteste Bezeichnung, die sich finden lässt. Sie geht zurück auf die englischen Forstgesetze, erstmals publiziert 1598, die extrem grausam waren.
Danach musste jeder Hund, ausser es wurde eine Steuer bezahlt, auf irgendeine Art verstümmelt werden, um zu verhindern, dass er königliches Wild jagt.
Bauern, die auf königlichem Land oder im Wald arbeiteten oder Weideland gepachtet hatten, war es nur erlaubt Hunde zur Schädlingsbekämpfung zu halten.
Diese Hunde mussten klein genug sein, um durch einen eisernen Reifen mit einem Durchmesser von 7 inch (ca 17,8 cm) zu passen.
Angestellte Wildhüter, Schafhirten, Schweinehirten und Holzfäller, die Hunde zu ihrem eigenen Schutz oder zum Schutz ihrer Tiere hielten, waren von der Steuer befreit, wenn sie ihre Hunde entsprechend verstümmelten.
Den Hunden der Schäfer und Hirten musste dafür lediglich der Schwanz kupiert (cur) werden.

Dies hielt man für ausreichend um den Hund so weit zu verlangsamen, dass er nicht mehr wildern, aber dennoch seine Arbeit verrichten kann. Das brachte ihnen früh den Namen Shepard's cur. Viele dieser Hunde hatten von Natur aus kurze Ruten.
Ein genauer Erbgang für das Phänomen der Stummelrute, das bei einigen Hütehunderassen auftritt, ist nicht bekannt.
Es tritt aber in einigen Linien auf. Für Jahrhunderte galt dieses Merkmal bei den Hirten als Zuchtbonus, da sich diese Tiere immer als aussergewöhnlich gut bei der Arbeit an der Herde erwiesen haben.
Ein Hund mit natürlicher Stummelrute hat immer eine weisse Schwanzspitze.
Ein paar dieser Collies ohne Rute oder mit Stummelrute erschienen bei frühen Hundeausstellungen in England, Frankreich und Amerika.
Seit 1796 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts liefen nahezu alle Hunde in der ländlichen Szene, mit Ausnahme der Jagdhunde (Hounds), unter der Bezeichnung Cur.
Auf alten Gemälden sieht man am häufigsten den kurzhaarigen oder den bare-skinned Typ.

Die Treiberhunde (Drover's dogs or bandogs)

The Bandog


Seit den alten Tagen der Römer wurde Vieh von Schiffen oder Farmen zusammen getrieben und zum Markt oder auf andere Weideplätze gebracht.
Diese Arbeit wurde von Gruppen (bands) von Treibern erledigt. Üblicherweise Männer und Jungen zu Fuss, manchmal auch auf Ponys.
Unterstützt wurden sie dabei von ihren Hunden.
Über Jahrhunderte hinweg waren diese glatt- oder stockhaarigen Hunde beliebt als Treiber-, Farm- und Markthunde und wurden selektiv aus den besten Arbeitern eines Wurfs weiter gezüchtet.
Ihre Arbeitsmethoden variierten: Einige bellten, einige bissen, andere hüteten oder jagten.
Ihre Lebenserwartung war kurz bedingt durch Krankheiten, Vernachlässigung, die harte körperliche Arbeit und starke Inzucht.
Auf dem Weg zu einer Ausstellung oder zum Markt wurden die Schafe der Farmen und Weiden entlang des Weges eingesammelt.
So konnte ein Treck auf bis zu 20000 Tiere anwachsen, der, in Gruppen aufgeteilt, von einer Gruppe Treiber und ihren Hunden beaufsichtigt wurde.
Dabei war jeder Hund für eine spezifische Aufgabe ausgebildet. Einige führten die Herden an, andere flankierten sie, um die Schafe zusammen zuhalten solange sie in Bewegung waren und eine weitere Gruppe umkreiste die Herde und bewachte sie an den Rastplätzen. Was den Bandog für diese Aufgaben so geeignet machte waren ein ausgeglichenes aber starkes Temperament, Loyalität, Ausdauer und Stehvermögen.
Die Intelligenz und Unabhängigkeit machten diese Treiberhunde nicht immer zu Hunden, die leicht auszubilden waren.
War aber erst einmal die Beziehung zwischen Hund und Besitzer aufgebaut, waren die Hunde sehr begierig ihre Loyalität und Leistungsbereitschaft zu zeigen.
Mit der Eisenbahn und später mit dem motorisierten Transport kam der Niedergang dieser wertvollen Treiberhunde.

The Grazier's dogs

Lange Zeit hielten die örtlichen Grazier und Metzger diese Art Hunde.
Grazier waren Leute, denen das Recht gewährt wurde Rinder auf offenen, freien Flächen und Schafe und Schweine im Wald weiden zu lassen.
Nachfahren der alten römischen "circling dogs" umkreisten die Herden und bewachten das Vieh.
Sie sind sicherlich ein Zweig im Stammbaum des modernen Kurzhaarcollies, bevor die langhaarige schottische Linie eingeführt wurde.

Die Metzgerhunde oder Heeler (Butcher's dog or Heelers)

Diese Hunde fallen in drei Kategorien.
Erstens die Heeler. Nützliche, dem Corgi ähnliche oder terrierartige Typen, die das Spiel des zupacken und wegducken perfekt beherrschen, wenn es darum geht zögerliche Tiere in die Ställe des Metzgers oder in den Schlachthof zu treiben.

Die zweite Gruppe waren große Hütehunde (bobtailed, large herders, curs), die von Marktaufsehern und anderen benutzt wurden, um zur Schlachtung vorgesehene Tiere von der Messe oder dem Markt, auch über weitere Strecken, zum Schlachthof zu treiben.
Möglicherweise die Vorfahren des "Olde English Sheeepdog".
Die dritte Gruppe waren Hütehunde mit einer etwas eleganteren Erscheinung, für gewöhnlich kurzhaarig, und vor allem mit der Aufgabe den Inhalt des Metzgerwagens vor menschlichen und tierischen Dieben zu beschützen, während der Metzgerjunge eine Auslieferung machte.
Diese Hunde waren darauf trainiert während der Fahrt direkt hinter oder unter dem Wagen zwischen den Rädern zu laufen.
Bei einer Rast wurden sie meist an den Wagen gekettet. Man kannte sie auch unter dem Namen "Butchers' heelers".
Sie zählen sicher zu den Vorfahren unserer modernen Kurzhaarcollies.

Die Hütehunde in Schottland

Erst nach der Vereinigung mit England zu Beginn des 18. Jahrhunderts kamen riesige Schafherden nach Schottland.
Schafhaltung war für die Großgrundbesitzer wesentlich profitabler als das bisherige Pachtsystem.
Sie ersetzten die vielen kleinen Höfe auf ihrem Land durch wenige große Schaffarmen mit wenigen Schäfern.
Die ursprünglichen Pächter wurden gnadenlos vertrieben oder zwangsweise umgesiedelt, um Platz für die Schafe zu machen (Lowland und Highland Clearence).
Ein enormer wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Umbruch, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind und in Folge dessen die Collies nicht mehr nur für die Arbeit an Rindern, sondern vor allem auch an Schafen eingesetzt wurden.

Im weiteren Verlauf der Geschichte entwickelte sich landesweit dann Stück um Stück das Ausstellungswesen, angefangen von kleinen Treffen der lokalen Schäfer und Züchter in der Dorfkneipe und regionalen Leistungsschauen für Arbeitshunde bis zu grossen überregionalen Schauen in den Städten.
Diese Veranstaltungen erfreuten sich wachsender Beliebtheit in der Bevölkerung, quer durch alle Schichten.
Vermutlich nicht zuletzt auch wegen der Vorliebe Königin Victorias für die kurzhaarigen Hütehunde, die sie als Arbeitshunde und treue Begleiter in ihren Zwingern züchten und ausstellen ließ.
Eine spannende Geschichte, der, wenn es die Zeit erlaubt, ein eigener Artikel gewidmet werden soll.

Quellen und weiterführende Informationen
Iris Combe, 'The Smoothcollie – a family dog' (Cambridgeshire, 1992)
Thomas Bewick, 'A general history of quadrupeds' (1790)
Wikipedia: Großbritannien in prähistorischer Zeit
Wikipedia: Großbritannien in römischer Zeit
Michael Ryder, 'British Medieval Sheep and Their Wool Types', in D. W. Crossley, ed., Medieval Industry (London, 1981), pp. 16-28.
BBC News: Scotland's forgotten clearances